Öffentlicher Vortrag: und wenn sie nicht gestorben sind…-Sterben und Tod im Märchen, 15.05.2019

 

Wo:       AOK Aschaffenburg

Wann:  Mittwoch der 15.05.2019 um 19:30

Eintritt frei

DAS ALLERLETZTE. Tod und Wandel im Märchen, und warum man am Grab Zitronen verschenkte. Märchensymbolik und vergessene Bestattungsbräuche Dr. Jutta Failing, Kunsthistorikerin und Autorin, Frankfurt am Main.
„allzufrüh, den 10. Januar 1796 starb der Vater
… und ich sehe noch immer den schwarzen Sarg,
die Träger mit gelben Citronen und Rosmarin in
der Hand“, erinnert sich Märchensammler Jacob
Grimm 1830 an die Beisetzung seines Vaters.
Den Sterbenden in den letzten Stunden zu begleiten, ihn anschließend zu versorgen, in ein Totenhemd zu kleiden und ihn gebührend zu bestatten, gehörte in früherer Zeit zu den
ursprünglichsten Aufgaben der Familie. Der Tod war öffentlich: Trauerkleidung und Leichenzüge ein vertrauter Anblick. Die Referentin erzählt von alten Bestattungsbräuchen, Totengedenken –
und schaurigem Aberglaube. In den Märchen und Sagen begegnet uns der personifizierte Tod. Auch lassen sich in den Geschichten viele Sinnbilder für Sterben, Tod und Wandlung finden. Diese helfen, die Liebe und den Tod als erneuernde Kraft zu begreifen und das Loslassen als Teil des Lebens zu akzeptieren. Aschenputtels Mutter stirbt zwar, aber sie – ihr Segen – bleibt anwesend im
Haselbaum, der dem Mädchen mit Wundergaben zum irdischen Glück verhilft. Daneben erzählen die Märchen von Menschen, die den Tod überlisten und ihn so hinauszögern.
Dahinter steht die alte Frage, wie das menschliche Leben aussehen würde, wenn die Zeit stehen bliebe und wir ewig leben könnten. Informativ, intensiv und mit Witz nähert sich der
Vortrag dem „Allerletzten“.